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Mittwoch, 23. Dezember 2015

Gauck auf Arabisch

Auf Wunschzettel der Integrationsbeauftragten

Die Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz hat auf ihren Wunschzettel geschrieben: "Die Ansprache von Gauck auf Arabisch." Denn in diesem Jahr seien Flüchtlinge das Thema - und die sollten verstehen, was der Bundespräsident ihnen zu sagen hat. Flüchtlinge sollen also schaffen, was bis heute kaum einem Deutschen gelungen ist.

Dafür müssen Anreize geschaffen und Bedingungen gestellt werden:

1. Jeder Flüchtling, der sich die Rede von Gauck anhört, bekommt Bleiberecht, bis er die Ansprache verstanden hat - also auf Lebenszeit.

2. Jeder Flüchtling muss mitzählen, wie oft der Bundespräsident das Wort "Freiheit" benutzt, damit er nie wieder vergisst, worauf es in Deutschland ankommt. Kleiner Tipp:

Jede Antwort unter 100 ist falsch.








3. Jeder Flüchtling muss nicht nur sich selbst, sondern auch seine Kinder so lange wach halten, bis auch der letzte Deutsche längst eingeschlafen ist. Das kann bis zu fünf Minuten dauern.

4. Die Kinder der Flüchtlinge müssen am nächsten Tag ein Bild von Gauck malen, das sie an die Integrationsbeauftragte schicken. Das Kennwort lautet

بقي مستيقظا


 

Sonntag, 2. Juni 2013

Und Gauck?

Bild am Sonntag, 2. Juni 2013

















Hat den VfB Stuttgart richtig stark gefunden

"Bei der ...Demonstration ist die Polizei am Samstag hart vorgegangen. Mehrere hundert Menschen wurden eingekesselt, es gab Schwerverletzte."

Ist nicht etwa der Vorspann zu dem Istanbul-Bericht der "Bild am Sonntag" (BamS). So beginnt ein Artikel der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" über eine Demo in Frankfurt. Vermutlich berichtet die BamS nicht nur über das brutale Vorgehen der Polizei in Istanbul, weil dort Zehntausende auf die Straße gegangen sind, sondern auch, weil das im Ausland geschah. Denn über Polizeigewalt in Frankfurt ist in der BamS-Ausgabe vom 2. Juni 2013 kein Wort zu finden.

Und Bundespräsident Joachim Gauck? Der ist gestern in Berlin gewesen und hat sich dort das Pokalendspiel angeschaut. In der Halbzeitpause schwärmte er von dem starken Auftritt der Stuttgarter. Die seien richtig gut. Richtig gut wäre es allerdings gewesen, wenn Gauck sofort nach Frankfurt geflogen wäre, um sich darüber zu informieren, warum die Polizei derart brutal gegen eine Demo mit 10 000 Kapitalismus-Kritikern vorgegangen ist.

Mittwoch, 20. Juni 2012

Thema verfehlt

Will Gauck kein Bürgerpräsident sein?

Hinterher ist man immer schlauer: Nach dem Rücktritt von Christian Wulff als Bundespräsident von "Bilds" Ungnaden und vor der Wahl von Joachim Gauck dachte ich, dass dieser 73-Jährige ins Schloss Bellevue einziehen sollte, damit die Wirklichkeit aus einem anderen Blickwinkel betrachtet und verändert wird. Die Kritik, Gauck beschränke sich zu sehr auf den Freiheitsbegriff, konnte ich nicht nachvollziehen, weil Freiheit die Voraussetzung für alles ist, wenn man darunter Entfaltungsmöglichkeiten für jene Bürgerinnen und Bürger versteht, die ihr Leben im Einklang mit dem Leben anderer gestalten und genießen wollen.

Gauck deutet Freiheit offenbar anders, ein Bürgerpräsident will er wohl nicht sein. Müsste er aber sein, wenn er die von ihm beklagte Kluft zwischen Politik und Gesellschaft tatsächlich schließen will, denn an dieser Kluft sind nicht die Bürgerinnen und Bürger schuld. Er müsste sich hinauswagen in den Alltag. Dann würde er schnell feststellen, dass die Menschen überall die gleichen Hoffnungen und Sorgen haben. Größte Sorgenbereiterin sind in allen Ländern die Regierungen, die sich jede Freiheit herausnehmen, wenn es um den Machterhalt und den eigenen Vorteil geht. Die Folgen dieser Rücksichtslosigkeit kann man sich jeden Abend per Fernbedienung ins Haus holen und wieder wegzappen.

Schon nach den ersten Reden muss man Gauck zurufen: "Thema verfehlt." Herr Bundespräsident, Regierungen besuchen und eine gute Figur machen, ist das eine, diesen Herrschaften aber die Leviten lesen, weil sie alle irgendwie durchgeknallt sind, wäre etwas Neues. Aber mit Neuem fängt Gauck nicht einmal im Kleinen an.

Seit drei Monaten warte ich auf eine Antwort zu meinem Vorschlag, dass die Akten von Jugendämtern zentral gelagert werden sollten, damit sich Eltern schnell und umfassend informieren können.  Mütter und Väter, die um ihre Kinder kämpfen, dürfen in Deutschland nicht mit fairen Verfahren rechnen. Das sage nicht ich, das sagen europäische Instanzen. Eltern kämpfen gegen die Zeit, die Behörden willkürlich verstreichen lassen. Das Recht von Kindern auf ihre Geschwister wird mit Füßen getreten. Über Menschen, die helfen wollen, sammeln Jugendämter Informationen, die nicht herausgerückt werden.

In Deutschland werden täglich Familien zerstört, andere Familien wissen nicht, wie sie fianziell den Monat überstehen sollen, sie leben von der Hand in den Mund und haben für theoretische Erörterungen des Freiheitsbegriffs weder Zeit noch Lust, sie müssen sich auch noch als Verlierer verhöhnen lassen, während kleine und große Gauner als clever gelten. Wie jener Kunde eines Sägewerkes aus Neuwied, der dem Lieferanten sagt, wenn ich die gesamte Rechnung begleichen soll, bekommst du gar nichts, finde dich also mit einer geringeren Summe ab. Oder wie jene Manager, die sich Totalversagen fürstlich entlohnen lassen.

Ein Bundespräsident muss sich nicht mit Koalitionspartnern herumschlagen, auf den nächsten Wahltermin schielen, sich tagespolitisch verschleißen, ein Bundespräsident darf den Blick schweifen lassen. Das geht aber nicht in geschlossenen Räumen. Ein Bundespräsident, der von Empfang zu Empfang eilt, erfährt nichts. Nirgendwo wird so viel gelogen wie bei offiziellen Anlässen.



Dienstag, 21. Februar 2012

Gemütslage

Nach der Kandidatur von Joachim Gauck

Wie hält es Joachim Gauck eigentlich mit der Integration, mit der Armut in Deutschland und wie oft ist er in der DDR gegen das System auf die Straße gegangen? Hans-Christian Ströbele (Grüne) verlangt von dem Kandidaten für das Bundespräsidentenamt sogar eine öffentliche Erklärung zu Hartz IV, zur Occupy-Bewegung und zum ehemaligen Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin. Gregor Gysi, Fraktionsvorsitzender der Linken, erinnert an die Gründe, die 2010 zur Ablehnung von Joachim Gauck geführt hätten: "Bei unserem Gespräch mit ihm in der Fraktion, erklärte er, dass er für den Afghanistan-Krieg sei, Hartz IV begrüße und es richtig fände, dass unsere Partei vom Inlandsgeheimdienst überwacht wird. Inzwischen hat er auch die Occupy-Bewegung stark kritisiert."

Andererseits wird Joachim Gauck der Vorwurf gemacht, er habe nur ein Thema. Die Freiheit. Die Kritik der einen Seite hat also kaum eine Schnittmenge mit der Kritik der anderen Seite. Hat man außerdem in der Vergangenheit gelegentlich genau hingehört, dann wundert man sich darüber, dass so manches von dem Kandidaten Gesagte aus dem Zusammenhang gerissen wird. Beispiel: Gauck hat etwas gegen Visionen. Hat er meines Wissens aber nie gesagt. Als er nach Visionen gefragt wurde, antwortete er - und zwar mit einem Schmunzeln: Vorbehalte habe er da schon, wichtig seien auch handfeste Sachargumente.

Gibt es etwa ein grundsätzliches Problem? Haben wir uns inzwischen so sehr an Schablonen gewöhnt, dass wir vielschichtige Meinungsäußerungen gar nicht mehr begreifen? Sie also zerlegen müssen, damit sie in unsere Schubladen passen? Wer die Occupy-Bewegung albern findet, ist sofort Marionette der Finanzmärkte? Wer nicht in der DDR auf die Straße gegangen ist, ist ein verspäteter Bürgerrechtler?

Auf welcher Straße war denn Hans-Christian Ströbele, als ab 1985 die DDR ins Bröckeln geriet? Wie oft ist er in der DDR gewesen, wie oft traf er sich mit Kritikern des Systems und wie oft stand er mit ihnen vor der Kamera? Was für ihn als Bürger der Bundesrepublik Deutschland wesentlich einfacher gewesen wäre als für Joachim Gauck als DDR-Bürger...

Was erwarten die Kritiker eigentlich von einem Bundespräsidenten? Wenn er Diskussionsstoff liefern soll, hat Joachim Gauck das schon getan, bevor er ins Schloss Bellevue einzieht. Wenn er allen nach dem Mund reden soll, sollte ein Sprechautomat installiert werden. Wenn es Anlass zur Kritik gibt, sollte die auch begründet werden. Also, Herr Gysi, wie hat Joachim Gauck seinerzeit die Überwachung der Linken gerechtfertigt?

Die NDP, die Linke und die Piratenpartei spielen nun mit dem Gedanken, andere Kandidaten zu benennen. Bei der NPD kann man darauf getrost verzichten, bei der Piratenpartei wäre das wohl jemand, der uns als erstes sagt, dass nichts wissen nichts macht - und bei der Linken? Eine andere Bürgerrechtlerin, ein anderer Bürgerrechtler, der zudem auch noch an den Montagsdemonstrationen in der DDR teilgenommen hat und nun jeden Montag gegen Hartz IV auf die Straße geht?

Solch einen Politiker wird man schwerlich finden. Bleibt also Joachim Gauck, bei dem man durchaus gespannt darauf sein darf, wie er beispielsweise dem laut Gerhard Schröder "lupenreinen Demokraten" Putin beibringt, dass zur Freiheit keineswegs die Freiheit zu Wahlfälschungen gehört.