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Freitag, 24. Februar 2012

Die Verschwörung

Das Monopolkapital hievt Gauck ins Schloss Bellevue

"Gauck-Maschine walzt alles nieder." Behauptet nun jemand in einem Bürgerportal. Woher nur rührt diese Maßlosigkeit bei der Kritik an der Kandidatur von Joachim Gauck als Bundespräsident? Warum greifen die Gegner von Gauck zu jeder nur möglichen Form der Verleumdung, die sofort in sich zusammenbricht, wenn - wie gestern Abend - Gesine Lötzsch als Vorsitzende der Linken mit Jürgen Trittin, der sich auf die Talkshow bestens vorbereitet hat, an einem Tisch sitzt?

Ist die Ursache Angst vor einem Bundespräsidenten, der sich jeden zur Brust nimmt, dem bei der Diskussion über das DDR-System nichts weiter einfällt als wachsweiche Distanzierungen von Unrecht? Merkt kein Kritiker, dass er SED-Opfer verhöhnt, wenn ihm nichts weiter einfällt als die Diffamierung eines Mahners, der bei seinem 70. Geburtstag sogar Angela Merkel auf die Füße getreten ist wegen ihrer Propagandatätigkeit für die FDJ?

Manche glauben wohl auch noch an Illuminaten. Angeblich haben sich Wirtschaftsbosse, Massenmedien und Gegner des Sozialstaates zusammengerottet, um Gauck ins Schloss Bellevue zu schicken, damit er von dort aus Hartz-IV-Empfänger, Leiharbeiter und Ausländer verhöhnt. Völlig vergessen werden dabei die Initiativen, die es bereits 2010 für Gauck gegeben hat. Waren die auch alle ferngesteuert?

In der DDR hat es keine Arbeitslosen gegeben, wird gern behauptet. Wer auch nur einmal dort gewesen ist, erfuhr aber auch, dass viele Lohnempfänger gar keine Arbeit hatten, weil die Fließbänder still standen. Auf Fabrikhöfen verrottete halb Fertiges, in den Städten verrotteten Häuser - und wenn es in eine Wohnung regnete, wurde die Miete gesenkt, Sanierungen konnten meistens nicht finanziert werden.

Schick war es eigentlich nur dort, wo die Funktionäre wohnten oder Urlaub machten. Durfte jemand eine Reise in den Westen machen, wurden die anderen Familienmitglieder als Gewähr für die Rückkehr betrachtet. Bekam ein DDR-Bürger nach Auffassung der SED zu oft Besuch aus der Bundesrepublik Deutschland, ließen bohrende Fragen nicht lange auf sich warten. Ging jemand nicht zur Wahl, standen sie mit der Urne vor der Wohnungstür. Verweigerte jemand auch dann noch die Stimmabgabe, litten darunter im Zweifelsfalle die Kinder.

Darüber hört man kaum etwas von den Gauck-Kritikern - und dann holen sie auch noch die Keule raus. Der neue Bundespräsident habe den Holocaust verharmlost...Hass macht offenbar blind.

Donnerstag, 23. Februar 2012

Die Gauck-Jägerin

Beate Klarsfeld kandidiert für die Linke

Wenn man der Linken Glauben schenkt, dann nominiert sie mit Beate Klarsfeld eine 73-Jährige, die früher Nazis gejagt hat und jetzt Joachim Gauck jagt, der sich mit "rassistischen Sprüchen" hervorgetan hat (so Gesine Lötzsch in einem Interview mit dem "Neuen Deutschland").

Interessant wäre vor der Wahl des Bundespräsidenten sicherlich die Veröffentlichung einer Dokumentation über Klarsfelds Kampf gegen Nazis, die es sich im Nachkriegsdeutschland bequem gemacht hatten oder untergetaucht waren (einige sogar mit Hilfe von katholischen Kreisen). So einfach, wie sie jetzt von der Springer-Presse dargestellt wird, ist die Geschichte dieser Frau nicht, sie ist mehrfach gebrochen und gelegentlich auch Unterstellungen geschuldet, mit denen die Stasi falsche Fährten legte.

Die von den Linken angekündigte Kandidatur, die auch auf andere Mitglieder der Bundesversammlung ausstrahlt, ist die Nominierung von Beate Klarsfeld aber sicherlich nicht. Denn bei der 73-Jährigen handelt es sich nicht um eine Persönlichkeit, die bis in die Gegenwart wirkt. Sie ist eher ein Relikt einer Zeit, die man nur begreifen kann, wenn man sie miterlebt hat. Außerdem ist Klarsfeld politisch betrachtet eindimensional.

Was man von Joachim Gauck ebenfalls sagen könnte, weil er den Begriff Freiheit zu oft aus seiner berechtigten Kritik am DDR-System ableitet. Dennoch ist er ein Kandidat, der auch eine Direktwahl gewinnen würde. Dafür gibt es sicherlich mehrere Gründe. Mit seinem Auftreten vor der Wahl des Bundespräsidenten im Jahre 2010 hat er viele beeindruckt, weil er erfrischend anders war als so mancher Zinnsoldat der Parteien.

Wie die Parteispitze der Linken diesen Mann angeht, ist erschreckend und man mag sich gar nicht vorstellen, wie es in diesem Land zuginge, wenn diese Personen an der Regierung wären. Seltsamerweise gibt es aber auch noch eine andere Linke, die auf  Landes- und kommunaler Ebene die Ärmel aufkrempelt, die Menschen hilft, wenn sie ein Problem haben, die auch einen CDU-Mann unterstützt, wenn sie das für gut hält.

Man mag es nicht glauben: Auch Parteipolitiker dürfen denken. Es wird ihnen nur zu oft verboten oder sie verbieten es sich selbst. Was Parteipolitiker aber unter keinen Umständen dürfen: Jemanden mit aus dem Zusammenhang gerissenen Äußerungen diffamieren. Das macht derzeit die Parteispitze der Linken....