Montag, 19. November 2012

Wie bei Böll


Wir hatten die Zumpens eingeladen

"Für den Abend hatten wir die Zumpens eingeladen, nette Leute, deren Bekanntschaft ich meinem Schwiegervater verdanke..." So beginnt Heinrich Bölls Kurzgeschichte "Wie in schlechten Romanen". "Für den Morgen hatte ich keinesfalls die Kripo von Garbsen eingeladen, frühe Leute, deren Bekanntschaft ich der Staatsanwaltschaft von Hannover verdanke..." So beginnt am 3. November 2003 meine Geschichte über einen Justizskandal in Niedersachsen.

Drei Jahre später, also Anfang November 2006, hat mir ein Anrufer, der angeblich Wendt hieß und ebenso angeblich Rechtspfleger bei der Staatsanwaltschaft von Hannover war, eine Entschädigung versprochen. Dieses Versprechen wurde gebrochen. Anschließend schickte man mich von Pontius zu Pilatus. Eine Verfassungsbeschwerde wegen Verschleppung eines Ermittlungsverfahrens verschwand, obwohl ich sie auf dem Postweg, als Internet-Fax und per mail nach Karlsruhe geschickt hatte. Das teilte ich Bundespräsident Joachim Gauck mit. Der schwieg.

Da sich nun der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages endlich intensiv mit meinem Fall beschäftigt, fragte ich am 31. Oktober 2012 die Pressestelle der Staatsanwaltschaft von Hannover, ob es in dieser Behörde tatsächlich einen Rechtspfleger namens Wendt gibt. Ich hätte inzwischen den Verdacht, dass es sich bei dem Anrufer um den Chef der Staatsanwaltschaft Hannover, Manfred Wendt, gehandelt hatte. Keine Antwort. Ich stellte die Frage ein zweites Mal. Keine Antwort...

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Dienstag, 18. September 2012

Verwelkt

Pastor forscht ist nicht Gaucks Ding

Werden die Bundespräsidenten von den Medien immer schneller verbraucht - und von uns gar nicht mehr gebraucht? Kabarettisten und Comedians jedenfalls überspringen bei Joachim Gauck gleich mehrere Phasen. Sie werden nicht ironisch, dann spöttisch und schließlich zornig - sie werden gleich wütend oder maßlos.

Wie am Freitag Oliver Welke in der "heute show". Der blendet Gauck kurz auf einer Bühne ein und rät dem "Zonen-Pastor", dummes Zeug zur Euro-Krise demnächst ohne Sonnenbrille zu verbreiten. Zwei Tage nach dieser verbalen Entgleistung öffnen Lothar Bölck und Michael Frowin auf MDR die "Kanzleramtspforte D" und schmeißen den Bundespräsidenten hinaus. Anlass für diesen Rauswurf ist die Rede von Gauck vor dem "Sonnenblumenhaus" in Rostock.

In Lichtenhagen wütete vom 22. bis 26. August 1992 der Mob,  zündete erst Gardinen und dann das Wohnheim für ehemalige Vertragsarbeiter aus Vietnam an, mehrere 1 000 Wahnsinnige feuerten die Mordgesellen an, lieferten ihnen Molotowcocktails, die Polizei befolgte Befehle des Einsatzleiters nicht. Der Mob wurde im 7. Stock gestoppt. Von beißendem Qualm.

Dieses Grauen spülte Joachim Gauck 20 Jahre später weich, suchte Trost in einer "wehrhaften Demokratie", die künftig alle vor einer Wiederholung der Rostocker Ereignisse schützen möge. Dann gäbe es für den Mob kein Durchkommen mehr.

Doch dieser Mob hat sich längst verkleidet. Er stellt sich nicht mehr vor Asylbewerberheime und lässt sich bei Mordversuchen filmen. Er geht in Fußballstadien und beschimpft Fußballer mit anderer Hautfarbe und/oder Geburtsorten jenseits deutscher Grenzen, er startet Hasskampagnen in sozialen Netzwerken, er verprügelt Obdachlose, er heuchelt, dass er nichts gegen Ausländer habe, so lange die im Ausland bleiben. Er predigt nationale Alleingänge und gibt das Motto "Nach uns die Sintflut" aus. Er behauptet, dass er Europa wolle, will sich aber nicht mit den Gründen beschäftigen, die in Italien, Griechenland, Frankreich und Spanien die Leute auf die Straße treiben. Er will in Ruhe seine Vorurteile pflegen.

Und ewig grüßt Joachim Gauck mit seinem Freiheitsbegriff,  statt zu sagen, was in dieser Welt abgeht. Als Bundespräsident, der eigentlich auf niemanden falsche Rücksicht nehmen muss, wird von ihm alles zweimal mit Lenor gewaschen. Pastor forscht ist offenbar nicht sein Ding.